Gravel-Bike Blog: Rahmen und Geometrie

Aktualisiert: Juli 26

Der Rahmen ist das Herz deines Gravel Bikes. Durch Laufräder, Lenker, Reifen, Übersetzung und Komponenten lässt sich das Rad in Richtung MTB oder Straßen-Rennrad verschieben, der Rahmen gibt jedoch vor wo und wie du Spaß mit dem Rad hast. Wir haben uns mit unserem Gravel Rahmen das Ziel gesetzt, dem „Straßen-Rennradfahrer“ ein wendiges, komfortables und leichtes Rad zu bieten, das ihm sofort Vertrauen und gewohntes Handling gibt. Das ermöglicht einen täglichen Radwechsel und/oder langen Touren mit dem jeweils anderen Rad ohne Eingewöhnung oder sogar Knieproblemen.


Ein Fully-MTB’ler empfindet ein schweres und sehr spurtreues Gravelrad als sportlich, für einen Rennradfahrer ist das gleiche Rad jedoch träge und langweilig. Deswegen ist unser Anspruch ein Gravelbike anzubieten, dass dem Rennradfahrer von Beginn an fasziniert wie sanft und komfortabel das Rad über Feld- und Schotterwege „fliegen“ kann, die gleiche Agilität und Beschleunigung wie ein Rennrad hat und dennoch im schweren Gelände gut fahrbar ist.


Zu aller Letzt sollte das Rad mit 40mm breiten Gelände-Reifen wie auch mit schmalen 28-32mm Straßen-Reifen wie ein Standard Rennrad für Wettkämpfe, RTF- oder Radmarathons geeignet sein.



Denn Vielseitigkeit ist ein großer Vorteil eines Gravel Bikes … mehr dazu im Kapitel „Reifen/Luftdruck“ und „Schaltung/Übersetzung“.


Die zu definierenden geometrischen Stellgrößen waren Stack-to-Reach, Lenkwinkel, Radstand, Kettenstrebenlänge, Tretlagerabsenkung, Gewicht/Steifigkeit, Flexelemente, Befestigungen und die maximal mögliche Reifenbreite. Das Material ist natürlich Carbon, das wir durch das Layout und Zusatzmaterial an den Einsatzzweck angepasst haben.


Wir wollten ursprünglich mehr Aero-Rohre und eine Aero-Sattelstütze integrieren. Jedoch lässt sich das nicht mit dem notwendigen Flex zur Reduzierung der Stöße kombinieren. Für unbefestigte Weg bietet unser Gravel-Rahmen eine Reihe an Komfort-Features, um das möglichst gut zu neutralisieren. Mit Aero Rohrprofilen würde dich das ordentlich durchrütteln.

So haben wir eine leichte, sehr federnde 27,2mm Sattelstütze und größtenteils Rundrohre am Rahmen verwendet. Gravel Rahmen mit einer ovalen Sattelstütze werden mit Blick auf die Federung in Testberichten deutlich bemängelt. Somit war das ein „No Go“ und die runde Sattelstütze ist nicht nur deutlich komfortabler, sondern auch universeller.


Die Carbonfasern im Rahmen werden so gelegt, dass es die Dämpfung unterstützt und die Stöße neutralisiert werden. Dieses stoßabsorbierende Feature ist besonders gut rund um die Sattelstütze gelungen (Shock Damping System).


Ein verlängerter Hinterbau (Kettenstrebenlänge) und ein größerer Radstand sorgen für mehr Stabilität, Sicherheit und Spurtreue. Das gering tiefer gesetzte Tretlager neutralisiert die größeren Stollen-Reifen und der moderate Steuerwinkel sorgt für eine etwas entspanntere Steuerung. Im Vergleich zu unserem AVENGER Typhoon Aero-Rennrad hat der Gravel Rahmen einen 35mm größeren Radstand und der Lenker ist bei gleicher Länge um ca. 30mm höher. Der Steuerrohrwinkel ist 0,6° flacher und der Sitzrohrwinkel um 0,6° steiler.



Hier eine Übersicht zum Stack-to-Reach Verhältnis unserer Rahmen. Deutlich erkennt man die Tendenz zur entspannten Sitzposition (Mittelwert 1,45). Der Rahmen "wächst" mehr in der Höhe als in der Länge. Damit "müssen" auch große Fahrer nicht zu „gestreckt“ auf dem Rad sitzen.

Mit dem geringen Drop des X-Wing Aero-Lenker (Absenkung 105mm) sowie dem geringe Reach (Länge 72mm) wird das Höhe-Längen-Verhältnis noch weiter optimiert und es macht viel Spaß im Unterlenker durch den Wald zu flitzen.


Zur gezielten Dämpfung gehört auch eine gezielte Steifigkeit, um die Kraft auf die Pedale in Vortrieb umzuwandeln. Der besonders stark beanspruchte Tretlagerbereich und die Gabel wurden mit T1000 Carbon- und Beskar-Fasern verstärkt. Das gewährleistet zusätzlich zur erhöhten und gleichbleibenden Steifigkeit eine hohe Bruchfestigkeit.



Tretlager-Absenkung (Bottom Bracket Drop):

Das ist ein wichtiger Punkt der oft wenig Beachtung erhält. Die Höhe des Tretlagers ist abhängig von der Tretlager-Absenkung und des Reifenumfanges (Laufradgröße plus Reifenbreite). Ein niedriges Tretlager hat den Vorteil, dass der Schwerpunkt ebenfalls niedrig ist und das Rad „stabil“ macht. Nachteil ist, dass beim Treten nur eine geringere Kurvenschräglage möglich ist, ohne dass das Pedal den Boden berührt. Zudem setzt im Gelände das Tretlager bzw. die Kurbel früher auf (weshalb MTBs ein sehr hohes Tretlager haben). Je breiter der Reifen desto höher ist das Tretlager. Da wir den Gravel Rahmen für 40mm Reifen optimieren, aber auch 28mm Straßen-Reifen gut fahrbar sein sollen, mussten wir unterschiedliche Tretlager-Absenkungen testen.


Wir haben Rahmen mit 60mm und 75mm Tretlager-Absenkung sowie mit 28mm und 40mm Reifen getestet. Das Rad mit 75mm Absenkung und 40mm Reifen fährt sich ruhig und stabil, aber mit 28mm Reifen im Wiegetritt behäbig. Das große Problem war jedoch die geringe Kurvenlage, bei der das Pedal den Boden berührt. Die Schräglage verringert sich für einen Straßen-Rennradfahrer so sehr, dass es bei einem häufigen Radwechsel gefährlich werden kann, weil man zu schnell in der Kurve mit dem Pedal den Boden berührt und das Hinterrad wegrutscht.


Das Pedal ist in der unteren Position nur ca. 9cm vom Boden entfernt. Verringert man diese Höhe um 1,5cm, dann sind das 16% Reduzierung. Der Schwerpunkt des Systems (Fahrer und Rad) liegt bei ca. 120cm. Die 15mm höheres Tretlager entsprechen einem um nur 1,2% höheren Schwerpunkt. Das ist nahezu irrelevant.

Der Rahmen mit 60mm Absenkung (15mm höheres Tretlager) fuhr sich bei beiden Reifenbreiten (28mm und 40mm) nicht spürbar anders. Der wesentliche Vorteil ist jedoch, dass das Rad mit 40mm Reifen eine gute Bodenfreiheit im Gelände hat und mit 28mm Reifen ein hohe Kurvenschräglage (ähnlich die dem Straßen-Rennrad) gefahren werden kann. Beides kann vor Stürzen bewahren und hat gesamt mehr Vorteile als ein niedrigeres Tretlager.


Techniker-Hinweis:

Ein 40mm Reifen sinkt mit 2,5bar um ca. 9mm ein, ein 28mm Reifen mit 6bar jedoch nur um ca. 3mm. Der Unterschied in der Tretlagerhöhe ist somit nur 6mm.


Gerade für ein Gravel Race, Cyclocross Rennen und eine Gruppenfahrt ist ein nicht zu tiefes Tretlager wichtig. Dadurch kann man

  • bei einer Gruppenfahrt/Rennen besser nach vorne sehen,

  • das Pedal berührt beim Treten in einer Kurve nicht den Boden,

  • das Pedal/Kurbel/Tretlager bleibt bei Hindernissen nicht hängen und

  • der Gravel Racer fährt sich ähnlich wie ein Rennrad.

Unsere ca. 62-66mm Tretlager-Absenkung hat somit mehr Vorteile. Und ist ein weiterer Grund für die Bezeichnung unserers AVENGER Podtracer als Gravel Race oder Allround Bike.


Um kein Risiko mit Rissen zu haben ist das Gewicht des Rahmens zwischen 1080-1220g. Das etwas höhere Gewicht ist uns die Sicherheit wert. Die super-leichten Rahmen sind oft für Risse anfällig. Für die Belastungen bei Rennen, Bikepacking oder Cyclocross ist ein zuverlässiger Rahmen wichtig.


Die maximale Reifenbreite haben wir bei 45mm vorgegeben, da mit 40mm Reifenbreite die Federung und Traktion vollkommen ausreichend ist.


Die dargestellte Gravel-spezifische Rahmen-Gabel-Geometrie ermöglicht auf einer Naturstraße entspannt mit 25-30 km/h zu fahren und bietet Komfort, Stabilität und vor allem Vielseitigkeit.


Der Rahmen hat alle zeitgemäßen Features wie z.B.:

  • BB86 Tretlager mit 86mm Breite

  • 12mm Steckachsen (zusammen 50g) - Rahmenbreite vorne 100mm / hinten 142mm

  • Flat Mount Scheibenbremsen

  • Integrierte Züge

  • Vorbereitung für elektronische Schaltung (Di2 und eTap)

  • Konischer Voll-Carbon Gabelschaft

  • Voll integrierter Steuersatz

  • Abschraubbare Umwerferhalterung (für optisch cleane Schaltung ohne Umwerfer)

  • Gewindeöse für Schutzblech an der Gabel

  • EPS Technologie (faltenfreie und nahtlose Rahmenstruktur)

  • Auswechselbares Schaltauge

  • Nutzung von regulären Sattelstützen, Vorbauten und Lenkern, so dass das Rad problemlos an deine Anforderungen anpassen werden kann

Hier die Übersicht der Geometrie-Daten:

Weitere Komponenten

Zum Rahmen gehören noch weitere Komponenten die wir hier kurz vorstellen.


Die Sattelstütze ist ein Highlight und mit ca. 120-130g sehr leicht. Die Schrauben sind aus Titan und das Carbon Layup so, dass die Stöße des Hinterrades größtmöglich gedämpft werden. Der Flex ist bei ca. 95N/mm (250mm Auszug). Ab 90kg Körpergewicht wird eine steifere Sattelstütze mit ca. 170g benötigt.


Die Sattelstützen sind für 7x7mm und 7x9mm Sattelstreben geeignet. Die Länge ist je nach Sattelhöhe 300mm, 350mm oder 400mm lang. Für Fahrer mit einem langen Oberkörper oder großer Überhöhung haben wir Sattelstützen mit 25mm Setback (Versatz des Sattels nach hinten).


Unsere Carbon Sättel ergänzen das geringe Gewicht und Flexibilität.



Wie gewohnt gibt es verschieden Schaltgruppen zur Auswahl. Die Laufräder, Reifen, Kurbellänge, Bremsscheibendurchmesser, Spacer (Lenkerhöhe), Übersetzung, Farben und Lenkerbreite sowie Zubehör können wie gewohnt individuell ausgewählt werden.



Zum Lenker haben wir einen extra Blog geschrieben.




Lackierung:

Die Entscheidung zur passenden Lackierung war nicht einfach. Auf der einen Seite mögen wir gerne Farbe, auf der anderen Seite passt eine neutrale Farbe am Rahmen besser zur Radkleidung. Und weil die Kleidung aktuell wieder deutlich farbiger wird, haben wir uns für einen edlen Perleffekt-Lack in anthrazit matt metallic entschieden. Das haben wir an einem Audi A5 gesehen und gefällt uns gut an dem Rahmen.


Der Lack ist schmutzunempfindlich, passt gut zu den Komponenten und zu jeder Kleidung. Das Dekor ist schwarz und die Aufschrift ist hellgrau. Ein glänzender Lack sieht auch gut aus, passt jedoch nicht zu den restlichen Komponenten (Lenker, Laufräder, Sattelstütze, Vorbau, Sattel) die alle matt sind.


Diese metallic graue und matte Lackierung ist sehr unempfindlich und man sieht den Staub wenig. Auf einer schwarzen Lackierung wäre Staub bereits nach wenigen Kilometern deutlich erkennbar.



Mit einem farbigen Lenkerband und passenden Aufklebern auf unseren Laufrädern kannst du dein Rennrad optisch passend und interessant gestalten.

Befestigungen:

Auf viele Befestigungsmöglichkeiten haben wir aufgrund von Gewicht und dem Einsatzzweck verzichtet. Da wir selbst gerne im Winter mit Schutzblechen fahren, hat die Gabel ein Gewinde für die Montage langer Schutzbleche am Vorderrad. Am Hinterrad gibt es eine Vielzahl von Lösungen, da Streben mit Schellen am Hinterbau die Schutzbleche halten.


Geräumige Oberrohr-, Rahmen-, Lenker- und Satteltaschen gibt es von vielen Herstellern.


Für Gepäckträger gibt es eine geniale und leichte Lösung, die leider auch ihren Preis hat (170 Euro). Jedoch ist das Rad somit auch für mehrtägige Bike-Packing Touren geeignet (Link). Die runde Sattelstütze ist auch hier ein Vorteil, da an dieser eine Vielzahl von Sattelstützentaschen (Beispiel) und -gepäckträger (Beispiel) innerhalb einer Minute montiert werden können.


Es besteht auch die Möglichkeit die Sattelstützenklemme mit einer Klemme zu tauschen, die eine Montagemöglichkeit für Gepäckträger besitzt (ca. 10 Euro).

Rahmengröße:

Der Rahmen ist in sechs Größen verfügbar – von 50cm bis 60cm in 2cm Schritten.

Für die Auswahl der passenden Rahmengröße ist es wichtig zu wissen, welche Überhöhung du fahren möchtest bzw. kannst. Die Überhöhung ist der Unterschied zwischen Satteloberfläche und dem Oberlenker (Oberkante).

Zusätzlich benötige ich deine aktuelle Sattelhöhe (Mitte Tretlager bis Oberseite Sattel). Alternativ auch deine Schrittlänge.


Auf jeden Fall sollte der Rahmen nicht zu lang sein und somit der Vorbau nicht zu kurz. Bei zwei passenden Rahmen solltest du lieber den kleineren Rahmen auswählen.


Das Oberrohr hat nur einen geringen Slope (Absenkung in Richtung Sattelrohr). Dadurch passen ausreichend große Rahmentaschen und der Rahmen kann im Cyclocross Sport getragen werden. Mit 40mm breiten Reifen reduziert sich die Stehhöhe. Auch deswegen solltest du bei zwei passenden Rahmen den kleineren Rahmen auswählen.



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