Gravel Racer: Schaltung und Übersetzung

Aktualisiert: 8. Sept 2020


Das ist in der Tat einer der schwersten Entscheidungen die ihr bei der Zusammenstellung eines Gravel Bikes machen müsst. Viele Auswahlmöglichkeiten könnt ihr nachträglich anpassen oder ändern (Reifenbreite, Lenker, Vorbaulänge, Sattel). Bei der Schaltgruppe legt ihr den ersten Einsatzbereich für euer Bike fest.

Welche Entscheidungen müsst ihr treffen?


  • 1-fach oder 2-fach Kurbel

  • Kassette

  • Elektronische oder mechanische Schaltung

  • SRAM oder Shimano


1-fach oder 2-fach Kurbel

Vorweg muss ich sagen, dass die 1-fach Schaltung ohne Umwerfer zurzeit „In Mode“ ist und an Gravel Bikes zu ca. 80% angeboten wird. Natürlich haben beide Möglichkeiten Vor- und Nachteile und wir wollen keinen Sportler zu einer anderen Meinung bekehren, wenn Sie/Er sich bereits entschieden hat. Hier geht es um eine möglichst objektive Beratung.

Ich denke die meisten Gründe zum Kauf einer 1-fach Schaltung liegen in der Einfachheit und „cleanen“ Optik. Das sind definitiv gültige Vorteile. Die Argumente der geringeren Wartung und Fehlerquelle sind mehr beim Cyclocross und Fahren im Schlamm relevant, denn die Gefahr eines Kettenabwurfes an der Kurbel ist nahezu bei „Null“.

Der geringere Preis und das niedrigere Gewicht bei der 1-fach Schaltung sollten nicht das entscheidende Argument sein. Eine 1-fach Schaltung benötigt normalerweise eine sehr große Kassette, die den Gewichtsvorteil vermindert. Für ein relevant geringes Gewicht wird eine leichte Kassette benötigt. Diese sind teuer und reduzierten den Preis-unterschied (100-150 Euro).

Die mit einer sehr leichten Kassette maximal möglichen Gewichtsreduzierungen sind bei der 1-fach SRAM Schaltung ca. 350g (mit SRAM Red 10-33 Kassette), ca. 160g (mit SRAM XX 10-50 Kassette) und bei Shimano ca. 280g (mit SRAM 11-42 Kassette).

Der Verschleiß sollte kein Grund gegen oder für 1-fach sein. Zwar ist der Kettenschräglauf bei den hohen und tiefen Gängen einer 1-fach Schaltung höher und deutlich zu spüren, jedoch fährt man bei unachtsamer Fahrweise auch mit der 2-fack Kurbel sehr schräge Kombinationen. Bei der 1-fach Kurbel entfällt der Verschleiß der Kette beim Schalten durch den Umwerfer, dafür hat die 2-fach Kurbel auch zwei Kettenblätter auf die der Verschleiß "verteilt" wird.

Mit einer 1-fach Schaltung lässt sich wunderbar „Graveln“. Jedoch ist entweder die Bandbreite reduziert oder die Gangsprünge sind sehr groß. Mit einem der beiden Einschränkungen müsst ihr leben.

Bei 2-fach Schaltungen wird gerne der Vorteil der „Zwischengänge“ angegeben. Das bedeutet zwischen zwei Ritzeln der Kassette könnte man auf das andere Kettenblatt schalten und ein Ritzel wählen, dass zwischen der Ritzeln des anderen Ketteblattes ist. Das ist nur in der Theorie richtig. In der Praxis werdet ihr nicht mehrere Schaltvorgänge inkl. Kettenblattwechsel machen, nur um einen Zwischengang zu finden. Deswegen vergleiche ich besser die Sprünge zwischen den Ritzeln ohne die theoretischen Zwischengänge zu berücksichtigen.

Kleine Gangsprünge sind wichtig bei Geschwindigkeiten die längere Zeit konstant gefahren werden sollen. Das sind in der Regel flache Straßen oder Schotterwege. Hier ist eine ergonomische Drehzahl wichtig (ca. 90-95 rpm). Am Berg ist es nicht so relevant wenn man 70 oder 80 Umdrehungen fährt. Mit großen Gangsprüngen können beim „High Speed Passagen“ im Flachen 85 rpm zu langsam und 100 rpm zu schnell sein. Hier wird eine Kassette mit geringen Gangsprüngen benötigt, wie es die 2-fach Schaltung bietet.

Im Schnitt sind die Gangsprünge bei 2-fach Schaltungen bei 12% (11-34 Kassette), bei 1-fach Schaltungen und geringer Bandbreite der Kassette bei 14% (10-33 Kassette) und hoher Bandbreite bei 16% (10-50 Kassette).