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Optimaler Reifendruck für 30-40mm Reifen (Road und Gravel)

Aktualisiert: vor 3 Tagen

Fährst du breitere Reifen als 28mm auf deinem Rennrad?


Herzlichen Glückwunsch! Du bist in der modernen Ära des Radsports angekommen. 30mm bis 40mm Reifen sind heute der Standard für Endurance, All-Road und sogar viele Profi-Rennen.


Doch viele Fahrer machen einen entscheidenden Fehler: Sie nutzen moderne Reifen mit veralteten Druck-Gewohnheiten. Gerade im Bereich 30-40mm ist das Fenster für den perfekten Druck oft niedriger, als viele denken.


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Ein angepasster Reifendruck dauert nur wenige Minuten, verändert aber dein Fahrerlebnis komplett. Es geht um drei Dinge:


  1. Effizienz: Weniger Rollwiderstand bedeutet mehr Speed bei gleicher Wattzahl.

  2. Komfort: Weniger Vibrationen führen zu weniger Ermüdung (Fatigue).

  3. Handling: Besserer Kontakt zur Straße bedeutet mehr Sicherheit in Kurven.


In diesem Guide kombinieren wir die Grundlagen mit Expertenwissen, Messungen, speziellen Webseiten und meinen Erfahrungen, damit du das volle Potenzial aus deinem Setup holst.


Zudem bemerken wir oft, dass Fahrer zu breite Reifen fahren oder breitere Reifen (> 40mm) montieren möchten, weil sie sich dadurch mehr Federung versprechen. Das ist nur richtig, wenn der Luftdruck bereits am unteren Limit ist (Abkippen des Reifens). Und das ist in der Regel erst bei 1,8 - 2,2 bar!


Reifen sind die beste Federung.


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Die Grundlagen

Ich empfehle eine Beachtung von 3 Bereichen, um einen soliden Startwert für den optimalen Luftdruck zu finden.


1. Dein Fahrstil

  • 30-34mm: Klassisches "Road" bis "Endurance". Hier zählt Effizienz auf Asphalt.

  • 35-40mm: "All-Road". Du wechselst zwischen schlechtem Asphalt, Pflastersteinen und festem Schotter.

 

2. Das Systemgewicht

Der Druck trägt nicht nur dich, sondern das gesamte System.

  • Fahrer + Rad + Wasser + Werkzeug + Kleidung.

  • Ein 80kg Fahrer mit einem 8kg Rad und zwei vollen Flaschen kommt schnell auf 90kg Systemgewicht. Das ist umgerechnet ein Unterschied von ca. 10% Luftdruck (0,2-0,4 Bar) und ist spürbar.

  • HINWEIS: Die untenstehenden Richttabellen sind mit Fahrergewicht angegeben und beinhaltet bereits ein 8kg Rennrad. Zusätzliches Gepäck musst du bitte hinzurechnen.

 

3. Reifen & Felge: Die unsichtbaren Faktoren

Hier liegt oft das Detail begraben:

  • Hookless Felgen: Viele Carbon-Felgen haben keinen Haken mehr. Warnung: Hier sind nur ausgewiesene Tubeless-Reifen erlaubt und es gilt fast immer ein striktes Limit von max. 5 Bar – egal was auf dem Reifen steht!

  • Innenmaulweite: Ein 30mm Reifen auf einer breiten Felge (23-25mm innen) steht stabiler als auf einer schmalen (19mm) Felge. Auf breiten Felgen kannst (und solltest) du noch weniger Druck fahren, ohne dass die Gefahr besteht, dass der Reifen in Kurven "walkt" (schwammig wird).


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Experten-Wissen & "Pro-Tipps"

Hier gehen wir über die Standard-Rechner hinaus. Warum sind niedrigere Drücke oft schneller?


Der Breakpoint

Früher dachte man: "Härter ist immer schneller." Das stimmt nur im Labor auf einer Stahltrommel.


Auf echtem Asphalt und ganz besonders auf Gravel gibt es einen "Breakpoint":

  1. Du erhöhst den Druck -> Rollwiderstand sinkt (du wirst schneller).

  2. Du erreichst den Breakpoint -> Der Reifen beginnt, über die Unebenheiten des Asphalts und Naturweges zu "hüpfen" statt sie zu schlucken.

  3. Du erhöhst den Druck weiter -> Das Rad vibriert (Impedanz-Verlust). Das gesamte Rennrad muss angehoben werden und dein Körper muss diese Vibrationen dämpfen. Das kostet Energie und macht dich langsamer.


Faustregel: Es ist besser, etwas unter dem Breakpoint zu liegen als darüber. Zu weich kostet dich Watt im einstelligen Bereich. Zu hart kostet dich mehr „Watt“ und zusätzlich Komfort und Grip.


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Die "15% Drop"-Regel

Ein theoretischer Ansatz besagt: Ein Reifen ist ideal aufgepumpt, wenn er unter Last (Fahrer sitzt auf dem Rad) etwa 15% seiner Höhe einsinkt.

  • Das optimiert die Federung, ohne den Rollwiderstand zu erhöhen.

  • Für 35-40mm Reifen bedeutet das oft erstaunlich niedrige Drücke (z.B. 2,0 - 2,5 Bar bei mittlerem Gewicht), so dass sie sich im Stand "platt" anfühlen, aber beim Fahren "sahnig" rollen.


Eine weitere guter und hilfreicher Test speziell für Gravel Rennräder:


Der "Durchschlag"-Test

Wenn du mit deinem Rad auf deinen „gröbsten“ Schotter-/Gravelwegen fährst, sollst du bei gesamt 60min Fahrtzeit 2-3x einen Durchschlag haben (die Felge berührt den Boden bzw. das Hindernis). Nur dann hast du den kompletten Federweg des Reifens ausgenutzt.

Ist das nicht der Fall, verwendest du einen zu breiten Reifen (und damit höheres Gewicht und Widerstand) oder hast zu viel Luftdruck.


Hast du den passenden Druck für diese Durchschläge und der Reifen fühlt sich in Kurven schwammig an, dann hast du einen zu breiten Reifen.

Aus meiner Sicht ist das eine der besten Regeln zur Überprüfung, ob ihr den passenden Reifen fahrt. Wer eine ganze Saison bei passendem Luftdruck (siehe Tabelle Schotterweg) keinen Durchschlag spürt, der hat definitiv einen zu breiten Reifen.


Aus meiner Erfahrung sind deswegen 40mm Reifen vollkommen ausreichend.

Wenn man eher straßenorientiert fährt, kann man 35mm Reifenbreite fahren. Wer mehr auf unbefestigten Wegen fährt, sollte die dämpfungsstarken 40mm Reifen wählen.

Für feine bis mittel grobe Schotter Wege sind Noppen auf der mittleren Lauffläche nicht zwingend notwendig. Diese sind nur bei wirklich steilen Anstiegen (>20%) mit losem Sand/Schotter oder nassen Gras/Blätter notwendig. Selbst auf nassem Schotter sind Noppen nicht zwingend notwendig, geben oft aber ein sichereres Fahrgefühl.

Ohne Grund 45mm Reifen zu fahren wäre kontra-produktiv. Am Ende ist es immer ein Kompromiss zwischen Komfort, Reifengewicht und Rollwiderstand.


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Das gemischte Mullet-Reifen Setup für Gravelrennen (Mullet = Ein Mix aus zwei Welten)


Wer aufgrund er eingeschränkten Sicht bei Rennen (Windschatten) Angst vor einem defekten Reifen wegen einem Durchschlag hat, der kann auch vorne die Reifenbreite auf 45mm erhöhen. Das hat mehrere Vorteile und wird oft bei Gravel-Rennen gefahren.

Die Profi-Rennfahrerin Marianne Vos hat mit einem 45mm Gravel Reifen am Vorderrad und 40mm Road Reifen am Hinterrad (für einen geringen Rollwiderstand) die Gravel Weltmeisterschaft 2025 gewonnen ("Mullet-Setup").


Aus diesem Grund hat unser neues Twin Force Road-Gravel Aero-Rennrad die Möglichkeit für das Mullet-Setup.

Vorne: Ein breiter 40-45mm Reifen mit Stollenprofil für maximalen Kurvengrip, geringen Rollwiderstand aufgrund der Dämpfung und zudem bietet er einen hohen Komfort.

Hinten: Ein 5mm schmalerer Reifen mit glattem Profil (Slick oder Semi-Slick) für geringen Rollwiderstand aufgrund des höheren Luftdrucks und fehlenden Noppen.

Ziel: Sicherheit in der Kurve und beim Bremsen sowie Komfort am Lenker, aber trotzdem schnell auf Asphalt.


Hinweise für 32-38mm Reifen

  • Slick: Diese Reifen sind für Asphalt und Gravel gemacht. Wenn du zu 100% auf Asphalt fährst, dann fahre mit dem Druck der „Geteerten Straße“ Tabelle, um ein direktes Rennrad-Gefühl zu haben. Wenn du auch auf Schotterwegen fährst, dann nimm den Druck für „Straße und Schotterwege“ aus der Tabelle.

  • Stollen: Wenn du Stollenreifen auf Asphalt fährst, walken die Stollen. Hier bringt hoher Druck nichts, außer dass sich die Stollen schneller abnutzen. Verwende hier immer den Druck der „Schotterweg-Tabelle“.


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Konkrete Richtwerte

  • Diese Werte sind Startpunkte für ein Tubeless-Setup.

  • Mit Schlauch (Tube) bitte 0,3 Bar addieren. 

  • Am Vorderrad kann der Druck um 10% reduziert werden.

  • Auf nasser geteerter Straße solltest du den Druck um ca. 0,2 - 0,4 Bar senken, um die Auflagefläche (den "Latsch") zu vergrößern.

  • Unter 3 Bar empfehlen wir eine Tubeless Montage. Über 4 Bar kann die Dichtmilch das Loch oftmals nicht verschließen.

  • Es ist besser einen leicht geringeren Luftdruck als mit zu viel Luftdruck zu fahren.


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Wichtig:

  • Der empfohlene Luftdruck basiert auf "Standard" Bedingungen (inklusive 8kg Rennrad). Bitte Gepäck beachten.

  • Die Reifenbreite ist die real gemessene Reifenbreite (weicht manchmal von den Herstellerangaben ab). Siehe Reifenblog.


Insider Tipp:

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Wir empfehlen einen digitalen Reifendruckprüfer (z.B. von Schwalbe Airmax Pro – ab 10 Euro). Damit könnt ihr den Luftdruck genau nachmessen, denn die Luftpumpen sind zu ungenau (Abweichungen über 0,5 Bar). Wir haben drei verschiedene digitale Luftdruckmesser und diese sind alle auf 0,1 Bar genau.



Fazit: Testen statt Raten


Vergiss "7 Bar und gut ist". Bei breiten Reifen liegt der Zauber im niedrigen Druck.


  1. Starte mit den Werten der Tabelle oder nutze den SRAM Luftdruck Rechner.

  2. Nimm eine gute Standpumpe mit genauem Manometer (ab Besten mit digitalen Luftdruckprüfer – kostet keine 10 Euro).

  3. Der Popometer-Test: Wenn du an deinen Händen den rauen Asphalt oder Gravel-Steinchen spürst, ist der Druck zu hoch. Wenn der Reifen in einer schnellen Kurve oder ganz langsamen Fahren bei starken Lenkeinschlag "schwimmt", ist er zu niedrig.


Ein perfekt eingestellter 35mm Reifen rollt fast so schnell wie ein 25mm Reifen, bietet aber den Komfort einer Sänfte. Probiere es aus!

 

Viel Spaß beim Testen und genieße den „neuen“ Komfort


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