Beratung Reifen für Road + Gravel
- Jan Smekal
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- 3. Jan.
- 8 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 12. Jan.
Jetzt kommen wir zum umfangreichsten Thema für dein Gravel Bike. Das Thema „Reifen“ ist deutlich komplizierter als bei einem Straßen-Rennrad, dass für hohe Geschwindigkeiten auf geteerten (und somit meist glatten) Straßen optimiert ist.
Ein Gravel Bike ist extrem vielseitig. Das müssen dann aber auch die Reifen sein. Egal, ob du neue Wege erkundest, Rennen fährst oder einfach nur die Natur genießen möchtest. Die Reifen müssen im Schlamm und Sand sowie gleichzeitig auf glatten trockenen Straßen und groben nassen Schotterwegen gut fahrbar sein.
Dafür benötigen die Reifen den besten Kompromiss zwischen:
Rollwiderstand
Komfort
Gewicht
Aerodynamik
Haftung
Pannensicherheit
Montagefreundlichkeit und
Haltbarkeit

Wir möchten euch mit diesem Blog möglichst umfassend informieren und euch unsere Erfahrungen und Empfehlungen mitteilen. Wer andere Reifen oder Produkte bevorzugt, kann diese natürlich auch verwenden.
Wir haben im Baukasten für unsere Gravel bzw. Allroad Rennräder verschiedene Reifen-Kombinationen zur Auswahl, mit denen ihr euren eigenen „besten Kompromiss“ zusammenstellen könnt.
Besonders wichtig ist das für unser ab April 2026 angebotene Twin Force Rennrad, das die Abgrenzung zwischen Aero-Rennrad und Gravel Bike zerbricht.

Beim „Graveln“ abseits der Straßen verschieben sich die Prioritäten in Richtung Komfort, Rollwiderstand und Pannensicherheit. Es geht darum, neben asphaltierten Straßen auch Wald- und Feldwege sowie alle anderen unbefestigten Wege befahren zu können, ohne dass man „Durchgeschüttelt“ wird, die Handgelenke schmerzen, auf der Straße nur langsam voran kommt oder alle 30-50km der Reifen platt ist.
Der Komfort ist maßgeblich vom Luftdruck abhängig. Der Luftdruck ist wiederum von der Reifenbreite und dem Gewicht abhängig. Für das komplexe Thema "Luftdruck für 30-40mm Reifen" habe ich einen eigenen Blog geschrieben. Den findet ihr hier (LINK).
Den Blog solltet ihr als ersten Schritt lesen, so dass ihr grob wisst welcher Reifen für euch in Frage kommt.
Weil unsere Gravel Bikes ein Allroad-Fahrrad sind, sollte man sich erst klar sein für welchen Boden der Reifen am besten geeignet sein soll. Einen Reifen das alles perfekt kann, gibt es nicht.
Möglicher Untergrund:

asphaltierten Straße
gepflasterte Straße
geschotterte Feldwege
schmale Wiesen- und Waldwege mit Wurzeln
nasser Untergrund inkl. Schlamm
Wege mit größeren Steinen oder Felsen
Sand / Wüste
Wer 80% auf Straßen und 20% auf Feldwegen fährt, der benötigt einen anderen Reifen als der, der 10% auf der Straße und den Rest auf Wegen mit Wurzeln und größeren Steinen fährt.
Das sind die Variablen, die für eine geeignete Auswahl beachtet werden sollen:
Reifenbreite
Glattes Profil (Slick). Stollen nur auf der Seite oder auf der ganzen Lauffläche
Stollengröße und Stollenabstand
Gewicht
Rollwiderstand
Pannensicherheit
Mit oder ohne Schlauch (Tubeless)
Vorgaben der Felgen (Maulweite und Hookless)
Keine Angst, die „guten“ Reifen haben wir bereits für euch ausgesucht. Zur Auswahl stehen nur „Testsieger“ oder als sehr gut bewertete Reifen. Alle der empfohlenen Reifen haben einen im Test bestätigten geringeren Rollwiderstand.
Die Daten für den Rollwiderstand bekommen wir maßgeblich von der Seite www.bicyclerollingresistance.com und bestätigen diese durch die Testberichte der Magazine TOUR, Roadbike und RennRad.

Zur Reifenauswahl
Hier ist unsere Reifen-Auswahl und die dazugehörigen Daten und empfohlenen Einsatzbereiche. Mit den verschiedenen Breiten und Stollenprofile kannst du deinen perfekt passenden Reifensatz (vorne und hinten auch unterschiedlich) zusammenstellen.
Zum Vergrößern bitte das Bild anklicken.

Bei einem Reifen mit TPU Schlauch kommen noch ca. 35-45g Gewicht dazu. Der "altbekannte" schwarze Butyl Schlauch (z.B. Schwalbe SV18 für 28-42mm Reifen) wiegt um die 115g. Bei einem Tubeless Reifen sind es ca. 55g für die Dichtmilch und das Tubeless-Ventil.
Road Reifen verfügen über einen geringen Rollwiderstand und Gewicht. Sie lassen sich somit auch auf Asphalt sehr gut beschleunigen und gut in Kurven fahren. Sie werden je nach Breite und Untergrund mit Luftdrücken von 3 bis 5 bar gefahren.
Reifen, die in Richtung Road + Gravel getrimmt sind, sind ein guter Kompromiss. Sie bieten maximalen Speed, Komfort und Sicherheit im unbefestigten Terrain. Sie haben kleine Noppen oder sind auf der mittleren Lauffläche ohne Noppen.
Gravel Reifen sind 35 bis 45mm breit und haben Stollen auf der ganzen Lauffläche.
Es besteht natürlich jederzeit die Möglichkeit die Reifen zu wechseln (z.B. Sommer/Winter oder Straße/Gelände) oder einen 2. Laufradsatz mit entsprechend anderen Reifen.

Wichtig: Man sollte die Reifen gerade so breit wählen, wie man es für den gewünschten Komfort benötigt. Jedoch nicht breiter, weil man sonst unnötigerweise nachteilige "Nebenwirkungen" (Aerodynamik, Gewicht) erhält, ohne dafür von größeren Vorteilen profitieren zu können.

Nun zu den einzelnen Modellen von CONTINENTAL und SCHWALBE
Warum nur diese zwei deutsche Firmen?
Bei den High-End-Rennradreifen sind Marken Schwalbe und Continental die erste Wahl. Sie haben jahrzehntelange Erfahrung in der Fahrradbranche und entwickeln Produkte für Profi-Teams und anspruchsvolle Radfahrer, was sich in Performance und Zuverlässigkeit zeigt. Gerade bei High-End-Reifen zählt jeder kleine Vorteil in Rolling Resistance, Grip und Haltbarkeit – hier punkten diese Marken messbar.
Das Road-Setup
Hier geht es um Geschwindigkeit, Rollwiderstand und Wettkampf.
Continental GP Archetype
Eine Limited Edition von Profi-Teams und noch leichtere, Version des GP 5000 S TR.
Wenn du nur auf der Straße fährst und du jedes Gramm sparen willst.
Er ist auf 30mm und minimales Gewicht optimiert. Er hat weniger Gummi auf der Lauffläche als der S TR, um Gewicht zu sparen – hält also nicht so lange.
Sollte für den Pannenschutz mit Dichtmilch gefahren werden.

Continental GP 5000
Der "Goldstandard" für Rennräder mit Schlauch.
Wenn du einfach einen extrem schnellen, griffigen Reifen fahren willst, aber keine Lust auf Tubeless-Montage und Dichtmilch hast.
Er gilt als der beste Allrounder im Performance-Bereich.

Das Road / Gravel Setup
Hier geht es um Geschwindigkeit auf der Straße und die Freiheit, auch mal in den Wald abbiegen zu können um die Natur ohne Verkehr genießen zu können.
Continental GP 5000 S TR
Es ist der GP 5000 für Tubeless-Systeme (TR = Tubeless Ready).
Wenn du das Maximum an Performance suchst, niedrigeren Luftdruck fahren möchtest (mehr Komfort) und Tubeless fahren möchtest.
Das ist der Reifen, den das Peloton bei der Tour de France meistens fährt.

Continental AllSeason
Der Unkaputtbare.
Wenn du im Winter, bei Nässe und auf schlechten Straßen trainierst oder zur Arbeit pendelst.
Er hat eine doppelte Pannenschutz-Lage (Vectran Breaker) und eine Gummimischung, die speziell bei Kälte nicht verhärtet. Er bietet bei Nässe extrem viel Grip.

Schwalbe Pro ONE
High-End-Rennradreifen für Asphalt und in der 34/38mm Breite auch gut für Gravel.
Maximale Geschwindigkeit, minimaler Rollwiderstand, sehr leicht.
Reifen muss mit Tubeless Milch gefahren werden.

Die Gravel-Spezialisten
Hier entscheidet der Untergrund über die Wahl.
Continental Terra Speed
Der "schnelle" Gravel-Reifen mit viele kleinen, flachen Noppen.
Einsatz: Trockene Waldwege, fester Schotter, Sand und viel Asphalt-Anteil.
Fühlt sich auf der Straße fast wie ein Rennradreifen an, bietet aber im Gelände Grip.

Continental Terra Trail
Der "griffige" Gravel-Reifen.
Die Noppen sind höher, aggressiver und stehen weiter auseinander.
Einsatz: Waldboden, Wurzeln, Matsch und loser Schotter.
Fahrgefühl: Er rollt auf Asphalt langsamer und brummt etwas mehr, beißt sich dafür aber im Gelände viel besser fest.

Schwalbe G-One RS
Das "RS" steht für Race Speed. Er ist aktuell einer der schnellsten Gravelreifen auf dem Markt.
In der Mitte fast glatt (Semi-Slick) für Speed, an den Seiten Stollen für Kurvenhalt.
Einsatz: 80% harter Untergrund/Asphalt, 20% Schotter.
Charakter: Fährt sich auf der Straße fast wie ein Rennradreifen.
Schwäche: Bei Nässe oder Matsch dreht er auf glattem Untergrund früher durch.

Schwalbe G-One R (Der Race-Allrounder)
Das "R" steht für Race. Er ist technisch ähnlich hochwertig wie der RS, hat aber mehr Profil.
Einsatz: 50% Straße, 50% Gelände.
Charakter: Der beste Kompromiss, wenn du Rennen fährst, aber nicht genau weißt, wie ruppig der Boden wird. Er ist schnell, bietet aber mehr Bremstraktion als der RS.

Schwalbe G-One Allround (Der Klassiker)
Dies war jahrelang der Standard-Reifen auf fast jedem Gravelbike.
Tausende kleine runde Noppen.
Einsatz: Der "Sorglos-Reifen" für Tourenfahrer (Bikepacking, Pendeln).
Charakter: Rollt sehr vibrationsarm auf Asphalt und greift super auf trockenem Waldboden. Er ist robuster und oft langlebiger als die RS/R-Modelle, aber nicht ganz so "spritzig" schnell.

Schwalbe G-One Bite (Der "Bissige")
Deutlich höhere, offenere Stollen, besonders an den Außenkanten.
Einsatz: Fokus auf Wald, losem Schotter und matschigen Wegen.
Charakter: Bietet viel Sicherheit im Gelände. Auf Asphalt surrt er hörbar und rollt etwas schwerer.

Zusammenfassung
Willst du schnell auf der Straße oder Rennen fahren (Tubeless)? --> GP 5000 S TR oder Archetype (30 bis 32mm)
Willst du schnell auf der Straße fahren (mit Schlauch)? --> GP 5000 (28 bis 32mm)
Willst du schnell auf der Straße und Schotter fahren (Tubeless)? --> GP 5000 S TR oder Pro ONE (32 bis 38mm)
Willst du auch im Winter auf schlechten Straßen fahren? --> GP AllSeason (35mm)
Du willst Gravel-Rennen fahren und fährst viel harten Boden? --> G-One RS
Fährst du 50/50 Road und Gravel? --> Terra Speed
Du willst einen schnellen, sportlichen Reifen für alles? --> G-One R
Du bist Tourenfahrer/Pendler und willst Haltbarkeit? --> G-One Allround
Fährst du meistens Gravel/Wald und auch im Matsch? --> Terra Trail oder G-One Bite
Mein Profi-Tipp - Kombiniere die Reifen
Auf der Straße ist die 28/30 oder 30/32 Kombination bei uns schon der Standard. Wer ab und zu ins Gelände fahren möchte kann auch 34/38mm oder 35/40 Kombinationen der Reifenbreiten fahren.
Für das Gravel-Setup ist vorne den Trail, G-One R, Allround oder Grip (für Grip und Kurvenhalt) und hinten den Speed oder G-One RS (für weniger Rollwiderstand) eine beliebteste Kombination für Rennfahrer.
Die Kombination RS vorne und R hinten hat den Vorteil einer langen Haltbarkeit (besonders wenn du viel auf Asphalt unterwegs bist. Das ist eine beliebteste Kombination vieler Pendler.
Oder das Mullet-Reifen Setup für Gravelrennen (Mullet = Ein Mix aus zwei Welten)
Wer aufgrund er eingeschränkten Sicht bei Rennen (Windschatten) Angst vor einem defekten Reifen wegen einem Durchschlag hat, der kann auch vorne die Reifenbreite auf 45mm erhöhen. Das hat mehrere Vorteile und wird oft bei Gravel-Rennen gefahren.
Die Profi-Rennfahrerin Marianne Vos hat mit einem 45mm Gravel Reifen am Vorderrad und 40mm Road Reifen am Hinterrad (für einen geringen Rollwiderstand) die Gravel Weltmeisterschaft 2025 gewonnen ("Mullet-Setup"). Aus diesem Grund hat unser neues Twin Force Road-Gravel Aero-Rennrad die Möglichkeit für das Mullet-Setup.
Vorne: Ein breiter 40-45mm Reifen mit Stollenprofil für maximalen Kurvengrip, geringen Rollwiderstand aufgrund der Dämpfung und zudem bietet er einen hohen Komfort.
Hinten: Ein 5mm schmalerer Reifen mit glattem Profil (Slick oder Semi-Slick) für geringen Rollwiderstand aufgrund des höheren Luftdrucks und fehlenden Noppen.
Ziel: Sicherheit in der Kurve und beim Bremsen sowie Komfort am Lenker, aber trotzdem schnell auf Asphalt.
Zur Reifenbreite
Anders als beim klassischen Straßen-Rennrad muss zur Reduzierung der Erschütterungen (Komfort) bei Unebenheiten mit weniger Luftdruck gefahren werden. Bei einem geringeren Luftdruck könnte die Unebenheiten bis zur Felge „durchschlagen“. Das wiederum macht zwei Löcher in den Schlauch (Snake-Bite). Um das zu verhindern, verwendet man breitere Reifen (und somit auch größerer Höhe) und/oder Tubeless Reifen (Reifen ohne Schlauch).
Hier eine Graphik die das darstellt. Wichtig ist die grüne Linie die den Gesamt-Rollwiderstand auf einer beispielhaften Schotterstrecke zeigt. Die blaue Linie zeigt den Widerstand auf einer glatten Oberfläche (z.B. Radrennbahn). Die orange Linie zeigt den steigenden Widerstand beim Rollen über Unebenheiten aufgrund der reduzierten Federung mit steigendem Luftdruck.

Hier der Link zu diesem Thema (Link). Dabei wird der steigende Rollwiderstand bei Unebenheiten erklärt.
Wenn man eher straßenorientiert fährt, kann man 35mm Reifenbreite fahren. Wer mehr auf unbefestigten Wegen fährt, sollte die dämpfungsstarken 40mm Reifen wählen.
Ohne Grund 45mm Reifen zu fahren wäre kontra-produktiv. Am Ende ist es immer ein Kompromiss zwischen Komfort und Rollwiderstand.
Beachtet bitte, dass breite Felgen auch die Reifenbreite erhöhen können. So sind die Schwalbe Pro ONE auf unseren 38mm (außen ) und 32mm (innen) breiten Gravel FORCE Felgen deutlich breiter:
32mm Angabe wird zu 36,0mm
34mm Angabe wird zu 37,2mm
38mm Angabe wird zu 40,6mm
Sagt uns bitte euren Einsatzbereich und wir empfehlen euch das passende Reifen-Setup.

Kommen wir zum Thema Tubeless
Im Luftdruckrechner wirst du selbst erkennen, dass der optimale Luftdruck zum Graveln mit 40mm breiten Reifen um die 2,0 - 2,5bar ist. Wir selbst fahren mittlerweile um die 2,0 - 2,1 bar.
Alle Felgen für unser Gravel-Bike sind für ein Tubeless-Setup geeignet und wir empfehlen unbedingt diese Option zu nutzen.
Vorteile von Tubeless
geringere Pannenanfälligkeit
kein Snake-Bite möglich (keine platten Reifen aufgrund von Durchschlägen)
geringerer Rollwiderstand
geringer Luftdruck fahrbar (mehr Komfort und Traktion)
Nachteile von Tubeless
Dichtmilch muss regelmäßig nachgefüllt werden (3-7 Monate)
im Falle einer nicht behebbaren Panne muss ein Schlauch montiert werden
nur für Luftdruck bis 4bar zu empfehlen
Wer Tubeless nicht möchte kann natürlich alle Reifen auch mit einem TPU oder Butyl Schlauch fahren.
Zum Thema Dichtmilch haben wir sehr viel geforscht und gelesen. Hier gibt es aus unserer Sicht eine Empfehlung: Stan's NoTubes und das identische Schwalbe DocBlue Reifendichtmittel. Es hat die beste Kombination aus Handhabung, Dichtfähigkeit und Haltbarkeit. Das neue Stans NoTubes Race Sealant kann zwar größere Löcher besser abdichten, bezahlt wird dies jedoch mit einer geringeren Haltbarkeit. Das wäre unsere Empfehlung, wenn es in Richtung „Wettkampf“ geht.

Ihr braucht bei Tubeless nicht zwingend einen Ersatzschlauch mitnehmen. Jedoch ist ein Tubeless-Repair Kit Pflicht.
Schaut euch bitte einen Video dazu an (Beispiel). Das ist einfach und hat uns und unseren Kunden noch nie im Stich gelassen. Wir betonen jedoch, dass Tubeless über 4bar Luftdruck problematisch sein kann. Darunter ist Tubeless sehr zu empfehlen und wie es auch beim MTB empfohlen wird.





























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